
Geh aus mein Herz, und suche Freud!
Wer kennt es nicht, das beliebte Lied 503 aus unserem Gesangbuch. In 15 Strophen beschreibt der Liederdichter Paul Gerhard die Schönheit der Natur, die unsere Hoffnung stärken kann, die Abbild und Gleichnis ist für Gottes Liebe und das Himmelreich.
Welch Segen und Freude, wenn man einen Garten hat und erleben kann, wie es grünt und blüht, gedeiht und Frucht trägt. In der Schöpfung können wir den Schöpfer spüren… und Gartenarbeit ist deshalb auch gut für unsere Seele. Das Wühlen im Boden, Pflanzen und Ernten ist ein Stück Lebenssinn, es ist menschlicher Ur-Instinkt, es ist gesund für uns, es erdet uns und unsere Energien tatsächlich auch ganz physikalisch.
Wir sind selber Geschöpfe aus Erde und Staub, lesen wir in der uralten Schöpfungsmythologie aus 1. Mose 2, und zu Staub und Erde werden wir alle eines Tages wieder werden. Denn wir sind „irdene Gefäße“ (2. Kor. 4), zerbrechlich und mit begrenzter Haltbarkeit. Teil der Natur und Teil eines großen Kreislaufes des Lebens.
Der große evangelische Liederdichter Paul Gerhardt hat neben Martin Luther wohl die meisten Lieder in unserem Gesangbuch gedichtet. „Geh aus mein Herz“, „Ich steh an deiner Krippen hier“, „Befiehl du deine Wege“ und „Ich bin ein Gast auf Erden“ sind nur vier davon. Vor 350 Jahren ist Paul Gerhard (1607-1676) gestorben und deswegen denken wir in diesem Jahr besonders an ihn!
Er hat als junger Mensch den schrecklichen 30jährigen Krieg (1618-1648) erlebt, in dem außer kämpfenden und plündernden Soldaten auch die Pest, Pocken und Ruhr die Menschen dahinrafften und die Bevölkerung Europas halbierten. Seine Eltern starben zu Beginn dieses Krieges, als Paul noch ein Kind war. Er hat gute Schulen besucht, in Wittenberg Theologie studiert, als Hauslehrer und dann in mehreren sächsischen Gemeinden als Pfarrer gearbeitet, 10 Jahre auch in Berlin an der Nikolaikirche.
Paul Gerhardt musste erleben, wie vier seiner fünf Kinder starben, nur ein Sohn wurde erwachsen. Das waren damals Jahrzehnte mit Gewalt und Zerstörung, Krankheiten, Hunger und Armut, in denen die Menschen aus dem Trauern kaum herauskamen.
Gerade das selber erlittene Leid macht Paul Gerhardt aber zu einem Botschafter der Hoffnung. Er findet in seinen Dichtungen und Liedern Worte und Bilder, die Menschen trösten können. Er schreibt von Blumen und Bäumen, von Wolken, Luft und Winden, vom Heu und vom Stroh und Rosen, Nelken, Rosmarin.
Er benennt die Trauer und Verzweiflung, unsere weinenden Herzen und das Joch, das wir auf dieser Erde tragen. Paul Gerhardt deutet das alles im Licht des Glaubens an den Gott, der alles geschaffen hat und in Händen hält. Der uns Wege finden lässt und eine Heimat auch über den Tod hinaus. Dessen Paradiesgarten noch viel schöner sein wird als unsere irdische Natur.
Paul Gerhards religiöse Dichtungen haben die Jahrhunderte überdauert und werden noch immer mit Seelengewinn gesungen.
Wir Menschen sind Teil der guten Schöpfung Gottes. Irdene Gefäße. Raum für Gottes Geist. Gute Bäume, gepflanzt an den Wasserbächen (Psalm 1), die Früchte tragen. Blumen in Gottes Garten, die an Leib und Seele grünen können.
Welch Segen und Freude, so ein Garten! Als Menschen haben wir eine besondere Aufgabe darin. Bebauen, bewahren, das Gleichgewicht und den Frieden halten. Leben und leben lassen. Uns freuen und Gott die Ehre geben… Dankbare und glückliche Sommertage wünscht Ihre und Eure Pastorin Kerstin Schaack