Weihnachten ist mein Fest

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„Weihnachten ist nicht mein Fest“, sagte mir neulich  mal wieder jemand. Zu viel Stress mit den Feiern und Vorbereitungen, zu viele hohe Erwartungen. Friedlich und harmonisch soll es sein, Tage des Glücks und der Gemeinsamkeit. Das kann manchmal nach hinten losgehen. Tatsächlich brechen zu Weihnachten besonders viele Familienstreitigkeiten los, Gewalt und Selbsttötungen sind am Jahresende leider nicht ungewöhnlich. Ja, zu Weihnachten geht es eben auch um die Wahrheit über uns Menschen und unser Miteinander…

Wer zu Weihnachten alleine ist, wer Streit hat oder wer hohe Erwartungen nicht richtig erfüllen kann, der wird es schwer haben mit der Festfreude.  Und die gegenwärtige Situation auf der Welt lässt uns eigentlich alle nicht unbeschwert feiern.

Am einfachsten ist es vielleicht noch, wenn man mit kleinen Kindern Weihnachten zusammen ist. Süß, wie sie auf den Weihnachtsmann warten und wie sie sich über die Geschenke und die Kerzen freuen, und darüber, dass alle mal Zeit haben.

Die Heilige Familie, Maria, Josef, das Kind in der Krippe, wurde und wird oft als idyllisches Urbild und Vorbild von Familie und Harmonie dargestellt. Bescheidenheit und Frömmigkeit, Zusammenhalt auch durch Widrigkeiten hindurch. Unsere Sehnsucht nach „Heilem“, nach „Heiligem“ findet in diesem Bild ein Ziel.

Dabei war Jesu Geburt nach der Darstellung des Lukasevangeliums keineswegs idyllisch und die kleine Familie war es auch nicht.

Maria, unehelich schwanger. Doch Josef hält zu ihr. Erst wollte er sie verlassen, aber er hatte einen Traum und ein Engelwort. Hochschwanger noch auf dem Weg nach Bethlehem, weil der Kaiser zur Volkszählung rief. Und dann: kein Platz in den Häusern. Von Tür zu Tür… und keiner lässt sie rein. Schließlich die Geburt im Stall. Von Anfang an ist Gott auf der Seite der Schwachen und Armen, lässt sich dort finden, wo es kalt und finster aussieht. Gerade da.

Arme Hirten sind die ersten Besucher. Aber auch die reichen Könige, die den neugeborenen Prinzen erst im Palast in Jerusalem gesucht hatten, knien im Stroh neben Ochs und Esel.

Was für ein Bild! Gottes Königreich kommt so ganz anders, als wir es erwarten würden.    

Die Angst des Königs Herodes vor Machtverlust, der Kindermord von Bethlehem, die Flucht der kleinen Familie nach Ägypten: ja, in der Weihnachtsgeschichte lesen wir die Wahrheit über uns Menschen und unser Miteinander…

Was für Bilder. Über allem die Engel, die verkündigen, was sie den Menschen immer wieder von Gott zu sagen haben:  fürchtet euch nicht! Und diesmal außerdem: Große Freude!

Wir feiern die Geburt des Gotteskindes, das die Konventionen, Ideale und scheinbaren Idyllen dieser Welt immer wieder gegen den Strich gebürstet hat. Jesus hat nicht einfach Harmonie gepredigt, sondern in Wort und Tat Liebe, Annahme, Gerechtigkeit und Ehrlichkeit gelebt. Das zählt zu Weihnachten, und natürlich auch sonst das Jahr hindurch,  für Christinnen und Christen.

Große Freude: Da ist einer an unserer Seite, da geht einer vor uns her, der gibt keinen verloren.  

Eine gesegnete Advents– und Weihnachtszeit und ein glückliches und friedliches neues Jahr 2026

wünscht Ihre und Eure Pastorin
Kerstin Schaack